Angriff und Verteidigung

Im Petanque haben wir zwei Positionen: Den Leger und den Schießer. Im Triplette kommt noch der Milieu dazu, also ein Mittelspieler, der legen und schießen kann, oft auch der beste Einzelspieler der Equipe.

Der Angriff jedenfalls liegt beim Leger, der die erste Kugel wirft. Der Job des Schießers ist es, eine gute Kugel seines Legers zu verteidigen, indem er die bessere Kugel der anderen Mannschaft wegballert.

Aber wie setzt man mit der ersten Kugel die andere Mannschaft unter Druck?

  • Vor die Sau legen, um der anderen Mannschaft den Weg zu blockieren, auf Französisch ein „Avant“
  • Direkt an die Sau legen, um den gegenerischen Schießer zu provozieren, vielleicht trifft er einmal oder zweimal nicht und ist dadurch entwaffnet, auf Französisch ein „Biberon“
  • Oder 30 bis 40 cm links oder rechts von der Sau legen. Diese Kugel wird in Frankreich ein „Bastard“ genannt, denn sie mobilisiert den gegnerischen Schießer nicht, kann aber einen Punkt bringen.

Wie die Seele siegt

Vor wenigen Tagen fiel mir das Buch „Minilektionen in Pétanque“ von Jürgen Beling, „Psychologie beim Boule“ in die Hände. Muss gestehen: Ich war schnell durch, viel konnte ich damit nicht anfangen, was auch an den Satzfehlern und holprigen Formulierungen lag. Verständlich, denn das Werk ist in einem Book-on-Demand Verlag erschienen, der die Texte seiner Autoren unlektoriert übernimmt und einen finanziellen Zuschuss zur Produktion verlangt.

Um hier keinen inkompetenten Verriss zu veröffentlichen, bat ich die Diplom-Psychologin Inge Rauch aus München um eine zweite Meinung. Inges Urteil ist mir besonders wichtig, da sie als aktive Petanque-Spielerin die Szene bestens kennt.

Ab hier Dipl-Psych Inge Rauch:

Das Buch beschäftigt sich vor allem mit dem mentalen Training im Petanque. Der Autor Jürgen Beling nutzt dazu das Gedankengut der Neurolinguistischen Programmierung, kurz NLP. So setzt er vor allem auf Affirmationen, also einfache und positiv formulierte Sätze. Laut oder leise wiederholt ausgesprochen, sollen sie das Unterbewusstsein mit neuen Anweisungen versorgen.

Mit Affirmationen lassen sich Blockaden lösen und festgefahrene Gedanken entfernen. Damit zählen sie zu den wirkungsvollen psychologischen Werkzeugen, die ohne zusätzliche Hilfsmittel unsere Fähigkeiten unterstützen und unser Verhalten positiv steuern.

Der Autor stellt noch weitere Praktiken aus der NLP vor, darunter Gedankenstopp oder Reframing. Wie diese Techniken speziell im Petanque wirkungsvoll eingesetzt werden können, erläutert dieses Buch. Zum Begriff der Affirmation hat mir der Satz „Ich gehe jedes Mal zur Kugel“ sehr viel gebracht und ich nutze diesen Rat immer öfter.

Jürgen Beling: „Minilektionen in Pétanque, Psychologie beim Boule“. Verlag Shaker-Media, 2010. ISBN 978-3-86858-416-5. Paperback, 124 Seiten, 14,90 Euro

Weitere Infos: http://minilektionen.beling-trier.de/