Decathlon expandiert

Filiale von Decathlon im Stachus-Untergeschoss in München

Fachgeschäfte mit Boule-Ausrüstungen sind hierzulande sehr, sehr selten. Die meisten Spieler kaufen daher online oder auf den großen Turnieren ein. Es gibt aber noch eine Lösung.

Die französische Sportkette Decathlon eröffnete im vergangenen Jahr 16 weitere Filialen in Deutschland und ist damit an 65 Standorten vertreten. Für dieses Jahr sind 15 neue Filialen geplant, darunter in Fürth, München, Dortmund und Berlin.

Bei Decathlon kann man Boule-Kugeln und Zubehör online kaufen oder zur Abholung in eine Filiale senden lassen. Im Sortiment sind die Eigenmarke „Geologic“ und mehrere Kugeln von Marktführer Obut. Die Preise beginnen bei 4,99 € für einen Satz Freizeitkugeln.

Weitere Infos: www.decathlon.de

Wer eigentlich ist Geologic?

Gelegentlich sieht man auf unseren Boule-Plätzen auch Kugeln und Zubehör der Marke „Geologic“. Aber wer steht dahinter?

Decathlon ist ein Hersteller und Händler von Sportartikeln aus Frankreich. Mit über 9 Mrd. € Umsatz und mehr als 70.000 Mitarbeitern ist Decathlon eine der größten Sportketten der Welt. In Deutschland ist Decathlon mit über 30 Filialen und 2.300 Mitarbeitern vertreten.

Das Unternehmen bietet Ausrüstung und Bekleidung für über 70 Sportarten, darunter auch 19 Eigenmarken. Zum Petanque gibt es die Marke Geologic. Im Video zur Produktion der Boule-Kugeln wird’s ganz offensichtlich, dass die Kugeln in Fernost hergestellt werden. Was ja nicht schlecht sein muss.

Roboter oder Handarbeit?

Auf Youtube zeigen die großen Hersteller von Turnierkugeln, wie sie ihre Kugeln produzieren.

Boule Bleue ist seit 1904 der älteste Kugelhersteller. Dieses Video zeigt, dass das Unternehmen aus der Nähe von Marseille sehr traditionelle Verfahren einsetzt.

MS Petanque ist ein relativ junger Hersteller von Boule-Kugeln. Das Unternehmen verfügt über CNC-Maschinen, die so aus den 90er Jahren stammen dürften.

Der Schweizer Roboter-Hersteller Stäubli zeigt in einem Werbefilm, wie Marktführer Obut seine Kugeln mithilfe von Robotern produziert. Nach eigener Angabe 10.000 Stück am Tag.

PS: Ich selbst besitze einen Satz Kugeln von Boule Bleue, Obut und MS Petanque. Aber welche sind die Favoriten? Meine Sache!

Wertarbeit aus Italien

Wer preisgünstige Boule-Kugeln sucht, sollte ab hier nicht weiterlesen, denn neben den großen Anbietern aus Frankreich gibt es noch zwei sehr feine Marken aus Italien. Faustregel: Unter 200 Euro ist kein Satz dieser Kugeln zu kriegen.
Von Unibloc kommt die Reihe ETR, mit einer Härte von 110 eine superweiche antimagnetische Messingkugel. Die Kugeln haben eine gebürstete Oberfläche und werden aus weißer oder goldener Bronze gegossen. Laut Hersteller sind diese Kugeln für einen geraden Lauf besonders ausbalanciert.

Boulenciel ist eine Marke von Data F, einem italienischen Hersteller von feinmechanischen Baugruppen. Aufgrund einer Leidenschaft für Boccia nahm das Unternehmen aus der Nähe von Turin auch die Produktion hochwertiger Boccia- und Petanquekugeln auf.  

Die Reihen Venus, Merkur, Saturn und Mars sind in Inox- und Karbonstahl erhältlich. Da die Kugeln von außen und von innen gedreht und feingeschliffen werden, erhalten sie – laut Hersteller – den weltbesten Rundheitsgrad und Geradeauslauf. So wird die Genauigkeit des Kugeldurchmessers mit ± 0,02 mm und der Gleichlauf mit ≤ 0,1% des Kugelgewichtes angegeben.

Die Reihe Iris von Boulenciel hat statt einer Riffelung gleichmäßig verteilte Näpfchen mit einer auffälligen Farbmasse aus gehärtetem Kautschuk. Obwohl lange misstrauisch beäugt, haben die Kugeln inzwischen die Zulassung der FIPJP und dürfen dadurch auch bei lizenzpflichtigen Turnieren eingesetzt werden.

Das Gewicht der optimalen Boule-Kugel

Reine Leger bevorzugen schwere Kugeln, so um die 730 g. Durch ihr Gewicht haben diese Kugeln einen stabilen Lauf, für Effekt-Würfe und effektives Schießen sind sie jedoch zu schwer. Wer an seiner Legetechik arbeiten möchte, sollte beim Gewicht nach unten gehen.

Für reine Schießer empfehlen sich Kugeln um 680 g. Da man mit einer Schießer-Kugel auch legen kann, ist dieses Gewicht universell verwendbar. Sieht man sich auf Turnieren oder bei Top-Spielern um, findet man fast nur Kugeln mit 680 oder 690 g.

Das Gewicht ist aber nur ein Parameter der optimalen Kugel. Hinzu kommen Stahlqualität, Härte, Verarbeitung oder die Riffelung. Am wichtigsten jedoch ist der Umfang einer Kugel, damit sie genau in die Hand des Spielers passt.

Die geheimen inneren Werte

Was die Hersteller gerne verschweigen: Neben Härte und Stahlqualität bestimmt noch ein Parameter die Qualität einer Boule-Kugel, und zwar die Unwucht. Ein gutes Gleichgewicht ermöglicht eine geradlinige Flugbahn beim Schießen und einen geraden Lauf am Boden.

Bei der Produktion einer Boule-Kugel werden zwei Halbkugeln zusammengesetzt und verschweißt. Daraus kann ein Ungleichgewicht entstehen, kurz: Die Kugel läuft nicht ganz rund. Der französische Petanque-Verband FIPJP hat daher festgelegt, dass die Unwucht 1,3 % der Kugelmasse nicht überschreiten darf.

Im oberen Bereich erreichen Boule-Kugeln ein Ungleichgewicht zwischen 0,5 und 0,3 %. So gibt der italienische Hersteller Boulenciel den Gleichlauf seiner Kugeln mit weniger als 0,1 % des Kugelgewichtes an. Die übrigen Hersteller halten sich bei diesen Angaben eher bedeckt.

Anm.: FIPJP steht für Fédération Internationale de Pétanque et Jeu Provençal

Probleme mit dem Weltmarktführer

Der Marktanteil des französischen Herstellers Obut an den Turnierkugeln weltweit wird auf etwa 80 % geschätzt. Leider sind die beliebten Boule-Kugeln nur in wenigen Riffelungen erhältlich.

Eine Boule Bleue (l.) wurde nachlackiert, Frau D. hat signiert und Hellgrün kommt immer gut


Die Folge: Wenn mehrere Spieler mit Kugeln von Obut werfen, kann es schwierig werden, die Schützen klar zu unterscheiden.

Die Lösung: Man nehme Nagellack oder einen wasserfesten Edding und bemale die eigenen Kugeln so, dass man sie garantiert schnell erkennt. So einfach ist das.

Wie lange hält eine Boule-Kugel?

Allgemeine Antwort:

  • Welche Härte gibt der Hersteller an?
  • Wie häufig wird mit der Kugel geschossen?
  • Wie häufig wird die Kugel selbst geschossen?

Diese gegossene Bronzekugel aus Italien ist erst 6 Wochen alt, hat aber schon reichlich auf die Ohren gekriegt


Schießer bevozugen zumeist weiche Kugeln, die sich schneller abnutzen. Zuerst werden das Hersteller-Logo oder die Code-Nummer unleserlich. Ganz fleißige Schießer bringen einen Satz Kugeln in weniger als zwei Jahren „durch“.

Leger nehmen lieber harte Kugeln, die unverwüstlichen. Und die halten lange, sehr lange.

Über die Härte von Boule-Kugeln

Turnierkugeln müssen mehrere Eigenschaften besitzen, die von den nationalen Verbänden festgelegt wurden. Dazu zählen der Durchmesser (70,5 bis 80 mm), das Gewicht (650 bis 800 g) sowie die vom Hersteller vorgegebene Härte. Deren Wert liegt zwischen 110 und 150.

Die meisten Schießer wählen weiche Kugeln mit Härte 110 bis 120, während Leger lieber mit Härte 130 bis 140 spielen.

Der Grund: Je weicher eine Kugel ist, umso geringer der Abprall beim Schießen einer anderen Kugel, auch Rebound-Effekt genannt. Bei häufigem Gebrauch sind weiche Kugeln aber anfälliger für Dellen und Kratzer. Harte Kugeln hingegen gelten als unverwüstlich und kosten auch etwas weniger als die weicheren Schießer-Kugeln.

Ein endloses Thema: Die richtige Boule-Kugel

Bei der richtigen Boule-Kugel kommt es zuerst auf den Durchmesser an. Zum Wettkampf sind Größen zwischen 70,5 mm und 80 mm zugelassen. Freizeitkugeln haben einen Durchmesser von 73 mm, der zu den meisten Spielern passt. Ihr Gewicht liegt um die 700 g, da offiziell nur Kugeln von 650 g bis 800 g akzeptiert sind. Als Faustregel gilt: Schießer sollten leichtere Kugeln unter 700 g, ein Leger hingegen etwas schwerere Varianten bevorzugen.

Auch bei der Härte gibt es Unterschiede: Für Schießer eignen sich die weichen Kugeln, während Leger härtere Modelle wählen. Die Härte wirkt sich auch auf die Lebensdauer einer Boule-Kugel aus: Auf weichen Kugeln werden das Herstellerzeichen, das Gewicht und der Code schnell unleserlich. Die harten Kugeln gelten als unverwüstlich,

Beim Material kann man zwischen Karbonstahl und Edelstahl (Inox) wählen. Die preisgünstigen Karbonkugeln können schnell rosten, solange man sie nicht pflegt und ölt. Viele Spieler mögen aber die raue Oberfläche, da sie ein besseres Wurfgefühl vermittelt. Kugeln aus Edelstahl – oder Inox – sind etwas teurer und kommen dafür fast ohne Pflege aus.

Durch mehr als 40 Riffelungen leicht zu unterscheiden: Die Kugeln von Boule Bleue


Ein wesentliches äußeres Merkmal ist die Riffelung einer Kugel. Der französische Hersteller Boule Bleue führt über 40 Riffelungen im Sortiment, an der sich die eigene Kugel aus der Entfernung schnell erkennen lässt. Es hat sich jedoch eingebürgert, dass die meisten Schießer mit Edelstahlkugeln ohne jegliche Riffelung spielen.